Schwangerschaft die Zweite


In meiner Vorstellung würde jede meiner Schwangerschaften so verlaufen, wie meine erste. Total entspannt und völlig komplikationslos. Die typischen Beschwerden lasse ich einfach aus, körperliche Beeinträchtigungen sind sowieso kein Thema. Aber nun, neun Jahre nach meiner letzten Schwangerschaft, möchte mich das Leben wohl eines Besseren belehren ...

Ich habe mir viel vorgenommen für meine Schwangerschaft. Denn so wie die erste Schwangerschaft verlief, will ich mich nicht einschränken lassen und unbeirrt mit all dem weitermachen, was ich vorher auch gemacht habe. Ich habe keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass neun Jahre Altersunterschied, ein Kind im Haushalt, ein stressiger Alltag und ein Job, der sehr fordernd sein kann, vielleicht nicht die gleichen Grundvoraussetzungen im Verlauf der Schwangerschaft darstellen, wie es ein Studentenleben mit drei Veranstaltungen pro Woche, kaum Verpflichtungen und gaaaanz viel Entspannung geboten haben.

Meine Vorstellung ... 

Ich bin jetzt 32, ich habe die letzten Jahre ziemlich viel Sport getrieben und bin körperlich fit, denke ich ... Also kann ich in der Schwangerschaft meinen Hobbies auch weiter nachgehen und drei bis viermal die Woche Sport treiben, vorwiegend gesund essen, meinem Job weiterhin mit Spaß und Elan nachgehen und Haushalt, Kind und Partner völlig problemlos gerecht werden. Das mache ich die kompletten 40 Wochen, denn bei meiner ersten Schwangerschaft war ich bis zum letzten Tag mopsfidel.

Außerdem kann ich die Möbel fürs Kinderzimmer zusammenbauen, die Wände selber streichen, Kisten und schwere Gegenstände problemlos selbst bewegen. Selbst ist die Frau ... dann geht’s wenigstens schneller.

Schöne Vorstellung ... bis zu dem Tag an dem ich schwanger wurde ...

Die Realität ...

Ich bin immer noch 32, aber ich glaube, das ist auch das Einzige, was von meiner Vorstellung geblieben ist. Wenn ich Sport treibe, wird mir die meiste Zeit übel und mein Bauch fängt an zu ziehen. Also stelle ich den Sport wohl besser die erste Zeit hinten an, wird ja auch wieder besser mit den Beschwerden. Nun, Mitte des 5. Monats in der 18. Schwangerschaftswoche weiß ich, die Übelkeit beim Sport wird besser, dafür meldet sich der Beckenboden zu Wort. Ich mache nun also nur gelegentlich Sport und freue mich über jede Einheit, die ich beschwerdefrei absolvieren kann und feiere diese Momente, wie Geburtstage.

Mein Job ... puh! Obwohl das Pensum eher zurückgeht, bin ich am Abend völlig geschafft. Sitzen ist sowieso auf Dauer anstrengend und wenn es mal problematische Situationen gibt, ist mein Puls für die nächsten drei Stunden auf 180, wo ich doch sonst einen kühlen Kopf bewahrt und einfach weitergemacht hätte. Wie meine Oma, wenn sie einen Arzttermin hat und Angst hat, es könnte etwas mit der Busverbindung schiefgehen.

Ja und dann ist da noch die Sache mit dem Kind, dem Haushalt und dem Partner. Ich hatte meinem Freund im Vorfeld erzählt, wie ausgeglichen ich in der ersten Schwangerschaft war und wie unproblematisch alles verlief. Ich glaube, er wartet sehnsüchtig auf den Moment, in dem ich seine sonst so lustigen Witze wieder lustig finde und nicht bei jeder Kleinigkeit den Falten auf meiner Stirn eine weitere Chance einräume.

Mein Sohn sagte neulich: „Ach, das sind diese Stimmungsschwankungen, wenn man schwanger ist“... ich habe gekonnt versucht es zu ignorieren 

„Ach, das sind diese Stimmungsschwankungen, 
wenn man schwanger ist“

Ja, es ist alles nicht so leicht, wie ich mir das vorgestellt hatte. Selbst die volle Gießkanne ist manchmal schon zu viel Gewicht. Ich kann nachts mitunter stundenlang nicht schlafen und renne laufend auf die Toilette. Meine Hormone feiern ihre eigene Party und wechseln zwischen Lambada und Tango tanzend hin und her. Mein Geruchssinn führt sowieso ein Eigenleben und ich komme schon beim Telefonieren außer Atem.

 Ich liebe es schwanger zu sein. Nichts ist schöner als Nachwuchs zu erwarten, dem Moment der Geburt entgegenzusehnen und die kleine Familie wachsen zu sehen. Noch merke ich von dem kleinen Kerl nicht viel, aber auch diese Momente kann ich kaum erwarten. Eine Schwangerschaft ist und bleibt etwas einzigartiges und Schönes. Mit all ihren Symptomen und Wehwehchen. Manchmal muss ich über mich selbst lachen und darüber, dass ich tatsächlich geglaubt hatte, dass jede Schwangerschaft unter allen Umständen so unkompliziert verlaufen würde, wie die erste. Solange es nur solche Kleinigkeiten sind, wie Übelkeit und kurzer Atem oder ein erhöhter Puls und ein bisschen Ziepen, genieße ich diese Schwangerschaft genauso, wie die erste. Denn das Ergebnis wird das gleiche sein. Ein kleines zuckersüßes Lebewesen, das einem das Leben versüßen wird.


Hinterlasse einen Boxengruß